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International

Menschenrechtsbildung im internationalen Kontext

... Demokratie ist nicht ein für alle Mal festgelegt, sondern muss in jeder Gesellschaft täglich immer wieder neu hergestellt werden.Aktionsplan von Dakar

Menschenrechtsbildung ist heute eines der wichtigsten Instrumente zur Entwicklung einer Kultur der Menschenrechte. Obwohl die Kodifizierung der Menschenrechte seit 1948 sowohl auf internationaler als auch auf europäischer Ebene immer differenzierter wurde und die meisten Menschenrechtsdokumente Empfehlungen zur Menschenrechtsbildung enthalten, ist das Potenzial der Menschenrechtsbildung bislang nicht ausgeschöpft worden. Mangelnder politischer Wille, fehlende Mittel und unzureichende Unterrichtsmaterialien setzen der Menschenrechtsbildung Grenzen. Dennoch haben die Initiativen zur Menschenrechtsbildung durch die Entwicklung nichtstaatlicher Menschenrechtsorganisationen in den vergangenen Jahrzehnten und den demokratischen Wandel in vielen Ländern Mittel- und Osteuropas enormen Auftrieb bekommen. Internationale Organisationen spielen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung wirksamerer und konsistenterer Strategien der Menschenrechtsbildung auf nationaler Ebene.

Vereinte Nationen

Weltprogramm für Menschenrechtsbildung der Vereinten Nationen

Im Dezember 1994 rief die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Jahre 1995 bis 2004 zur UN-Dekade für Menschenrechtsbildung aus. In der offiziellen Empfehlung wird die Menschenrechtsbildung als Schlüssel zum Aufbau stabiler und harmonischer Beziehungen zwischen Gemeinschaften und zur Förderung von gegenseitigem Verständnis, Toleranz und Frieden anerkannt. Alle Staaten und Institutionen werden aufgerufen, die Menschenrechte, das humanitäre Völkerrecht, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit als Unterrichtsgegenstände in die formale und non-formale Bildungsarbeit aufzunehmen.1

Als Nachfolgeprojekt zur Dekade rief die UN-Generalversammlung im Dezember 2004 das seit 2005 aktive Weltprogramm für Menschenrechtsbildung aus. Dieses weltweite Programm baut auf den Errungenschaften der UN-Dekade für Menschenrechtsbildung auf und soll dazu beitragen, die Menschenrechte in allen Gemeinschaften zu verwirklichen. Im Zentrum des Aktionsplans für die erste Phase des Weltprogramms von 2005 bis 2009 stehen Bildungssysteme der Primar- und Sekundarbildung, mit Vorschlägen für eine konkrete Strategie und praktischen Ideen zur Umsetzung der Menschenrechtsbildung auf nationaler Ebene.2

UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung

Die UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung (2005 – 2014) führt ökologische Entwicklung und Menschenrechtsbildung zusammen, wobei besonders hervorgehoben wird, dass Bildung eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, dass Menschen in der Lage sind, Umwelt- und Entwicklungsproblemen zu begegnen.³

Cyber-Schulbus: Ein besonderes Projekt der Vereinten Nationen für Kinder

Der Cyber-Schulbus ist ein weltweites, internetbasiertes Unterrichts- und Lernprojekt der Vereinten Nationen mit dem Ziel, Kinder für Menschenrechtsfragen zu interessieren. Der Cyber-Schulbus sammelt inspirierende Geschichten von Klassen oder Schulen, die in ihrer Gemeinde, ihrem Wohnviertel oder ihrer Stadt die Menschenrechte verteidigen und fördern. Diese Geschichten werden in einen Weltatlas der Schüleraktionen aufgenommen, der vom UN-Cyber-Schulbus zusammengestellt und im Internet veröffentlicht wird.

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UNESCO

Die UNESCO, die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur, spielte eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung, Umsetzung und Evaluation der für die UN-Dekade für Menschenrechtsbildung vorgesehenen Projekte. Im Zentrum des Lernens sollte vor allem die Aneignung von Werten, Einstellungen und Fertigkeiten stehen, die die Gesellschaften von heute brauchen, um sich den Herausforderungen von morgen stellen zu können. Unter dieser Maxime hilft die UNESCO bei der Entwicklung nationaler Strategien zur Menschenrechtsbildung, entwickelt Lernmaterialien und fördert Interessenvertretung und Vernetzung. Die UNESCO spielt auch bei der Umsetzung des seit 2005 aktiven Weltprogramms für Menschenrechtsbildung eine entscheidende Rolle.

Die Arbeit der UNESCO im Bereich der Menschenrechtsbildung wurde im Aktionsplan von Dakar (2000 – 2015), der beim Weltbildungsforum 2000 entwickelt wurde, bestätigt. Das Rahmenwerk bekräftigt die Notwendigkeit einer „qualitativ hochwertigen Bildung“, die definiert wird als Bildung, die über den herkömmlichen Lehrplan hinausgeht, einen menschenrechtlichen Ansatz umfasst und neue Themen wie kulturelle Vielfalt, mehrsprachige Bildung, Frieden, Gewaltlosigkeit, nachhaltige Entwicklung und Lebenskompetenz anspricht.4

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UNICEF

Seit sechzig Jahren setzt sich UNICEF weltweit für Kinder ein. Heute ist die Organisation in 191 Ländern präsent. Sie arbeitet mit einer breiten Koalition aus UN-Organen, Regierungen, NGOs und lokalen Basisorganisationen zusammen und setzt sich ein für eine Welt, in der die Rechte aller Kinder verwirklicht sind. Die Arbeit von UNICEF orientiert sich am Übereinkommen über die Rechte des Kindes. Im Mai 2002 führte eine Sondersitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen zum Aktionsplan A World Fit for Children, der für das nächste Jahrzehnt eine neue Agenda für die Kinder der Welt aufstellt. In diesem Aktionsplan wird anerkannt, dass Regierungen, NGOs sowie die Kinder und Heranwachsenden selbst eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, alle Kinder in den Genuss der Rechte kommen zu lassen, die ihnen in der Kinderrechtskonvention (KRK) garantiert werden. Um dies zu erreichen, sollten sich „der Schutz und die Förderung der Menschenrechte sowie die Werte des Friedens, der Toleranz und der Gleichstellung der Geschlechter in allen Bildungsprogrammen, Materialien und der Lernumgebung selbst widerspiegeln.“ 5

Die Menschenrechtsbildung wird international, regional und in einzelnen Ländern durch zahlreiche UNICEF-Programme unterstützt. Auf der kinderfreundlichen UNICEF-Website „Stimmen der Jugend“ (Voices of Youth) finden sich Informationen über das Leben von Kindern weltweit und interaktive Spiele zur Förderung der Kinderrechte.6 Das Innocenti Research Centre von UNICEF betreibt internationale Forschung über die Situation von Kindern in der Überzeugung, dass sich durch Sensibilisierung für und Wissen über die Kinderrechte die Situation von Kindern überall auf der Welt verbessert.7

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Europarat

Für die Mitgliedsstaaten des Europarates sind die Menschenrechte mehr als nur ein Teil ihres gesetzlichen Rahmens; sie sollten ein integraler Bestandteil der Bildung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sein. Die Empfehlung Nr. R (85) 7 des Ministerkomitees über das Lehren und Lernen der Menschenrechte in der Schule bekräftigt, dass sich alle jungen Menschen im Zuge ihrer Vorbereitung auf das Leben in einer pluralistischen Demokratie über die Menschenrechte informieren sollten, und dieser Ansatz wird derzeit in verschiedenen europäischen Ländern und Institutionen integriert.8

Die Empfehlung 1346 (1997) der Parlamentarischen Versammlung über Menschenrechtsbildung schlägt eine ganze Reihe von Maßnahmen zur Stärkung der Menschenrechtsbildung in Europa vor.

Darüber hinaus empfiehlt die Versammlung, das Ministerkomitee möge in den kommenden Jahren die Menschenrechtsbildung als vorrangig für die internationale Arbeit des Europarates betrachten...9

Der Europarat arbeitet im Bereich der Menschenrechtsbildung und der demokratiepolitischen Bildung eng mit dem Menschenrechtshochkommissar der Vereinten Nationen (OHCHR), der UNESCO, der Europäischen Kommission und anderen internationalen Organisationen zusammen. So spielt der Europarat beispielsweise eine besondere Rolle beim Monitoring der Umsetzung des Weltprogramms für Menschenrechtsbildung (2005 – 2007) auf europäischer Ebene. Dazu gehören auch die Entwicklung eines konkreten Aktionsplans und die Stärkung von Partnerschaften und Zusammenarbeit zwischen der internationalen Ebene und den Menschen an der Basis.

2007 initiierte der Europarat ein Projekt zum Entwurf eines politischen Rahmendokuments zu demokratiepolitischer Bildung und Menschenrechtsbildung. Mit ihrer Zustimmung zu einem so umfassenden Dokument werden sich die Mitgliedsstaaten zu weiterem Engagement verpflichten und ihre Anstrengungen werden messbar gemacht. Ein so fortschrittliches Instrument bedeutet eine enorme Anerkennung für non-formale Bildungsträger, die an der Basis arbeiten und Standards auch für außereuropäische Länder setzen.

Das Jugendprogramm Menschenrechtsbildung

Das Jugendprogramm Menschenrechtsbildung wurde im Jahr 2000 als eine Priorität für den Jugendsektor des Europarates ins Leben gerufen und verfolgt das Ziel, die Menschenrechtsbildung in den Mainstream der Jugendarbeit zu integrieren. In den ersten drei Jahren wurden Lehrmittel und Ausbildungsmöglichkeiten für junge Menschen entwickelt und ein Partner-Netzwerk auf nationaler und lokaler Ebene aufgebaut. Im zweiten Dreijahresabschnitt ging es bei dem Programm vor allem um das Empowerment junger Menschen, insbesondere auch benachteiligter Gruppen, und um die Entwicklung von Strategien zur Bekämpfung von Rassismus, Fremdenhass, Diskriminierung und geschlechtsspezifischer Gewalt. Seit dem Jahr 2000 wurden mehrere neue Lehrmittel entwickelt, verschiedene langfristige und fortgeschrittene Ausbildungskurse erarbeitet und Hunderte von Pilotprojekten in ganz Europa finanziert. Kompass – Handbuch zur Menschenrechtsbildung für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit, ein wichtiges Lehrmittel des Programms, wurde seit seiner Veröffentlichung im Jahr 2002 in etwa zwanzig verschiedene Sprachen übersetzt. In einem Schneeballeffekt hat das Programm Hunderte von NGOs in ganz Europa erreicht, die durch Pilotprojekte der Europäischen Jugendstiftung unterstützt wurden. Die Menschenrechtsbildung ist zu einem entscheidenden Instrument der Jugendarbeit in Europa geworden und wirkt sich auch produktiv auf die formale Bildung aus. Seit 2006 rückt das Programm zunehmend den interkulturellen Dialog ins Zentrum.

Demokratiepolitische Bildung

Die Menschenrechtsbildung ist eine entscheidende Komponente der demokratiepolitischen Bildung, eines weiteren Ansatzes, um Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Kenntnisse, Fertigkeiten und Einstellungen zu vermitteln, mit deren Hilfe sie in ihren Gemeinschaften Einfluss nehmen können. Seit 1997 hat das Programm für demokratiepolitische Bildung des Europarates Konzepte, Definitionen und politische Strategien entwickelt und Netzwerke aufgebaut, um diese Arbeit voranzubringen. Das Jahr des bürgerlichen Engagements durch Bildung 2005 bestärkte das Engagement der Mitgliedsstaaten, demokratiepolitische Bildung in ihre Bildungspolitik zu integrieren. Heute geht es bei dem Programm vor allem darum, durch die Unterstützung dieser politischen Entwicklungen, durch Forschung und gute Praxis in der Lehrerausbildung und der demokratischen Regierungsführung für Nachhaltigkeit zu sorgen. „Exploring Children’s Rights: lesson sequences for primary schools“ (Kinderrechte: Unterrichtseinheiten für Primarschulen), eine neue Publikation des Programms, liefert konkrete Ideen zur Behandlung der Kinderrechte im Unterricht.10

Ein Europa für Kinder und mit Kindern aufbauen

Das Programm des Europarates „Building a Europe for and with Children” (Ein Europa für Kinder und mit Kindern aufbauen, 2006 – 2008) will die Entscheidungsebene sowie die Interessenvertretung bei der Entwicklung staatlicher Strategien und Politiken unterstützen, die einen integrierten Ansatz zur Förderung der Kinderrechte und zum Schutz von Kindern vor Gewalt gewährleisten. Unter der Schirmherrschaft des Programms revidiert der Europarat seine bestehenden gesetzlichen Rahmen und Instrumente und setzt neue Standards für eine verbesserte Sicherung der Kinderrechte in Europa. Außerdem werden Kommunikationskampagnen sowie Bildungs- und Ausbildungsprogramme initiiert, um Regierungen und NGOs bei der Entwicklung wirksamerer Politikansätze für Kinder zu unterstützen.

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