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Umwelt

Nachhaltige Entwicklung ist: Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.Brundtland-Kommission 1987

Einführung

Menschen sind ein integraler Teil ihrer Umwelt und die Umwelt wirkt sich auf alle Aspekte des menschlichen Lebens aus, unter anderem auch auf die Menschenrechte. Die Wechselbeziehung zwischen Umwelt und Menschenrechten wurde durch die Konferenz der Vereinten Nationen über die menschliche Umwelt im Jahr 1972 offiziell anerkannt und es wurde bekräftigt, dass „die natürliche wie die von Menschen gemachte Umwelt des Menschen unverzichtbar ist für sein Wohlergehen und den Genuss der Grundrechte – sogar für das Recht auf Leben selbst“.1

Umweltrechte gehören zu den sogenannten Rechten der dritten Generation oder Kollektivrechten. Diese Rechte betreffen weniger Einzelpersonen, sondern vielmehr ganze Gesellschaften oder Gruppen. Dazu gehören zum Beispiel das Recht auf Frieden, auf nachhaltige Entwicklung, auf Kommunikation oder auf Teilhabe am gemeinsamen Erbe der Menschheit. Kollektive Rechte, wie etwa das Recht auf eine gesunde Umwelt, tragen dem Umstand Rechnung, dass Menschenrechte nicht nur für Einzelpersonen in einem politischen und gesellschaftlichen System existieren, sondern für alle Menschen, die als Mitmenschen in verflochtenen Systemen über die Grenzen der Nationalstaaten hinaus vereint sind. So wirkt sich beispielsweise die Erderwärmung auf alle Lebewesen aus, egal in welchem Land. So wie jede Person den spezifischen Wert ihrer Mitmenschen respektieren muss, so muss sie auch den ureigenen Wert aller anderen Wesen (Tiere, Pflanzen und Ökosysteme) respektieren, mit denen wir den Planeten teilen.

Die Umwelt wirkt sich auf die Menschenrechte sowohl positiv als auch negativ aus. Sie spielt eine wichtige Rolle bei der Sicherung menschlichen Lebens, indem sie die Rohstoffe für unsere Nahrung, Industrie und Entwicklung liefert. Doch können Umweltgefahren, wie erhöhte Strahlung oder kontaminiertes Trinkwasser, auch das Grundrecht auf Leben bedrohen. Menschen, die der Verschmutzung von Böden, Luft oder Nahrung und Wasser ausgesetzt sind, können auch Opfer von Menschenrechtsverletzungen werden, Gesundheitsprobleme bekommen oder genetische Schäden erleiden, ihre Existenzgrundlage verlieren oder sogar sterben. Viele Grundrechte haben ökologische Dimensionen: das Recht auf Gesundheit, auf sichere und gesunde Arbeitsbedingungen, auf angemessene Wohnung und Nahrung, auf Arbeit und einen angemessenen Lebensstandard.

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Umweltprobleme in Europa

Europa hat mit gravierenden Umweltproblemen zu kämpfen, die sich auf zukünftige Generationen auswirken können:

  • Die Luftverschmutzung durch Schwerindustrie und fossile Brennstoffe beeinträchtigt direkt die menschliche Gesundheit und alle Lebewesen.
  • Klimaveränderungen infolge der Erderwärmung und des Treibhauseffekts bedrohen zukünftige Generationen mit Dürre, schweren Stürmen und dem Verlust von Anbauflächen.
  • Die Verfügbarkeit und die Qualität von Wasser sind ein Hauptproblem.
  • Moderner Massenkonsum und Haushaltsmüll, beispielsweise die übermäßige Nutzung von Privatautos, Plastiktüten und Verpackungsmaterial, schädigen die Umwelt.
  • Genetisch veränderte Organismen können langfristige Folgen für die menschliche Gesundheit, die Umwelt und den Bioanbau haben.

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Kinder und Umwelt

2004 verabschiedeten die Minister Europas den Aktionsplan zur Verbesserung von Umwelt und Gesundheit der Kinder in der Europäischen Region (CEHAPE) gegen Umweltrisiken, die die Gesundheit europäischer Kinder am meisten beeinträchtigen. In diesem Aktionsplan stehen vier regionale Ziele für Europa im Vordergrund: 2

  • Sichere Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung
  • Schutz vor Verletzungen und angemessene körperliche Betätigung
  • Saubere Luft in Innenräumen und im Freien
  • Ziel einer chemiefreien Umwelt

Um diese Ziele zu erreichen, müssen Kinder ein eigenes Problembewusstsein und Verständnis für die Umwelt und die Beziehung zwischen Umweltproblemen und Menschenrechten entwickeln.

FRAGE: Welches sind die größten Umweltprobleme in Ihrer Gemeinde? Wie können sich Kinder aktiv an deren Bekämpfung beteiligen?

Kinder können eine aktive Rolle im Umweltschutz spielen. Auf individueller Ebene können sie ihren eigenen Lebensstil und dessen Auswirkungen auf die Umwelt bewerten und verändern (z. B. durch die Schonung von Ressourcen wie Wasser und Strom oder durch das Vermeiden von Lebensmittelverschwendung). Auf lokaler Ebene können sie sich an Planungen beteiligen, um ihr Zuhause, ihre Schulen und Jugendorganisationen umweltfreundlicher zu machen (z. B. durch Nutzung sicherer Produkte, Müllbeseitigung, Recycling verschiedener Materialien). Kinder können Politik und Praxis ihrer Kommune, ihrer Region und ihres Staates bewerten und Verbesserungsvorschläge machen. Sie können sich
an Kampagnen und Weltgedenktagen wie dem Tag der Erde und dem Weltumwelttag beteiligen. Der Weltumwelttag am 5. Juni wurde 1972 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen ausgerufen.
Er kann auf vielerlei Weise begangen werden, z. B. durch Straßenrallyes, Fahrraddemonstrationen, grüne Konzerte, Aufsatz- und Plakatwettbewerbe in Schulen, Baumpflanzaktionen, Recycling-Aktivitäten und Putzkampagnen. Jedes Jahr steht ein Motto im Zentrum des Weltumwelttages, wie zum Beispiel „Schmelzendes Eis – ein heißes Thema?“, „Lasst die trockenen Länder nicht auf dem Trockenen sitzen!“ und „Grüne Städte: Planen für den Planeten!“ 3 Der Tag der Erde  m 22. April wird vom Earth Day Network koordiniert, das mit anderen Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen zusammenarbeitet, z. B. dem Sierra Club und Amnesty International, um öffentliche Aktionen durch Gedenkveranstaltungen und Protestaktionen gegen die Missachtung von Menschenrechten und Umweltschutz zu initiieren.4

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Nachhaltige Entwicklung

Wir leben derzeit in der Dekade der Bildung für nachhaltige Entwicklung (DESD), die von der Generalversammlung der Vereinten Nationen für die Jahre 2005 bis 2014 ausgerufen wurde. Was bedeutet „nachhaltige Entwicklung“? Die Brundtland-Kommission, die in den 1980er-Jahren zusammentrat, definierte sie als „Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.“5 Ein weiteres internationales Schlüsseldokument für nachhaltige Entwicklung ist die Agenda 21, die 1992 beim Weltgipfel in Rio de Janeiro vorgebracht und seither von 172 Staaten angenommen wurde. Umgesetzt wird dieser umfassende Aktionsplan auf globaler, nationaler und lokaler Ebene gemeinsam von Regierungen, NGOs und internationalen Organisationen, die 2002 beim Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung erneut zusammenkamen. Bei der Nachhaltigkeit geht es nicht nur um den Umweltschutz, sondern darum zu lernen, respektvoll mit allen anderen und mit unserer Erde zusammenzuleben. Daher bedeutet Bildung für nachhaltige Entwicklung den Erwerb von Werten, Verhaltensweisen und Wissen, die uns in die Lage versetzen werden, uns heute weiterzuentwickeln, ohne zukünftige Generationen dieser Möglichkeiten zu berauben.6

Kinder können anfangen, die langfristigen Folgen menschlichen Handelns auf die Umwelt zu verstehen, indem sie ihre unmittelbare Umgebung beobachten und dann das Gelernte auf einen globalen Kontext übertragen. Wenn zum Beispiel der Stadtrat beschließt, eine Grünfläche in der Stadt mit einer Straße zu überbauen, dann verlieren Kinder vielleicht einen Ort, wo sie spielen und die Natur beobachten können. Nur wenn wir an unsere Nachkommen denken und uns um sie kümmern, können wir für die Zukunft einen gesunden Planeten erhalten.

Das Europäische Umweltbüro, ein Netzwerk von fast 150 Umweltorganisationen in Europa, sensibilisiert für Fragen der nachhaltigen Entwicklung in Europa und mobilisiert Bevölkerung und Regierungen für laufende Verbesserungen.

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Relevante Menschenrechtsinstrumente

Europarat

Dass die Umwelt in der Europäischen Menschenrechtskonvention nicht vorkommt, ist nicht verwunderlich. Sie wurde 1950 verabschiedet, als noch kaum jemand die weitreichenden Auswirkungen der Umweltverschmutzung erkannte. Die EMRK enthält viele Bezüge auf „das wirtschaftliche Wohl des Landes“, nicht jedoch auf sein ökologisches Wohl. Ebenso wird darin die Bedeutung und der „Schutz der Gesundheit“ bekräftigt. Nicht erkannt wird jedoch die Bedeutung einer gesunden Umwelt für die Gesundheit der Bevölkerung, auch wenn man sich bemüht, ökologische Aspekte der Menschenrechte durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu berücksichtigen.7

Vereinte Nationen

Wie die Europäische Menschenrechtskonvention entstanden auch andere frühe Menschenrechtsinstrumente, so die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und die beiden Pakte, zu einer Zeit, als die Bedeutung der Umwelt noch nicht ins allgemeine Bewusstsein gedrungen war. Sie enthalten infolgedessen keine Hinweise darauf. Doch die Kinderrechtskonvention von 1989 bezieht sich in Artikel 24.c im Kontext des Rechts des Kindes auf Gesundheit ausdrücklich auf die Umwelt und fordert die Regierungen auf,

Krankheiten sowie Unter- und Fehlernährung auch im Rahmen der gesundheitlichen Grundversorgung zu bekämpfen, unter anderem durch den Einsatz leicht zugänglicher Technik und durch die Bereitstellung ausreichender vollwertiger Nahrungsmittel und sauberen Trinkwassers, wobei die Gefahren und Risiken der Umweltverschmutzung zu berücksichtigen sind[.]

Darüber hinaus fordert Artikel 24.e zur Vermittlung von Grundkenntnissen an Eltern und Kinder als Teil der allgemeinen Gesundheitsbildung auf. Artikel 29.e nennt als eines der Ziele hochwertiger Bildung, auf die jedes Kind ein Recht hat:

dem Kind Achtung vor der natürlichen Umwelt zu vermitteln.

Die allmähliche Anerkennung des Rechts auf eine gesunde Umwelt illustriert die Weiterentwicklung des Menschenrechtsschutzsystems, indem neue Rechte erkannt, definiert und schließlich in Menschenrechtsinstrumenten
schriftlich niedergelegt werden. Derzeit arbeitet ein Ausschuss am Entwurf überein Übereinkommen über ökologische Rechte. Das kann ein langwieriger und kontroverser Prozess sein, bei dem nach Konsens gesucht und Regierungen, internationale Organisationen und Nichtregierungsorganisationen konsultiert werden müssen.

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Nützliche Websites

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